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Menschen machen ein Dorf aus. In dieser Rubrik finden Sie spannende Persönlichkeiten aus Dürrenmettstetten – und besondere Gäste, die uns besuchen. Ihre Geschichten zeigen, wie vielfältig und lebendig unser Flecken ist. Von jungen Talenten bis zu bekannten Stimmen: Hier kommen die Menschen zu Wort, die Dürrenmettstetten zu einem besonderen Ort machen.

Hans, gib den Ton an

Erstelldatum12.06.2026

Seit 67 Jahren eine Stimme im Chor

Hans, gib den Ton an

Seit 67 Jahren eine Stimme im Chor

Singen ist für Hans Kirschbaum so selbstverständlich wie der Morgenkaffee. Seit 67 Jahren ist der 82-Jährige aktiver Sänger im Männergesangsverein Eintracht Dürrenmettstetten. Der Chor feiert dieses Jahr sein 130-jähriges Bestehen. Hans ist der älteste Sänger. Und sein treuester. 

Die Kirschbaums – ein Chor für sich

Sein erstes Lied hat Hans nie vergessen: „Ei du Mädchen vom Lande, wie bist du so schön.“ Mit 16 Jahren trat er im September 1959 dem Gesangsverein bei. Zehn Jahre lang sang er im zweiten Tenor, bis er nach dem Austritt seines Vaters in den ersten Tenor wechselte. Dort singt er bis heute. 

Die Musik liegt Hans im Blut. Sein Vater hatte elf Geschwister, und alle sangen. Im Dorf hieß es: „Die Kirschbaums sind ein eigener Chor.“ Kein Wunder, dass Musik Hans weit über die Singstunden hinaus begleitet. Auf dem Traktor, während er die Felder bestellte, sang er Volkslieder und Vereinsstücke – alles, was ihm in den Sinn kam. „Da war mir egal, ob jemand zuhört“, sagt er lachend. Noch heute besucht er regelmäßig das Volksliedersingen in Bergfelden. Die alten Melodien bedeuten ihm viel. 

Der Mann für die hohen Töne

Schon früh war klar, dass auf Hans Verlass war. Bei einem Konzert in Salzstetten geriet der erste Tenor beim „Chianti-Wein“ ins Schleudern. Hans wusste, gleich kommt die Stelle, die er mit voller Stimme meistern musste: „Ja, ja der Chianti-Wein.“ „Ich wusste, den Ton habe ich, egal was passiert. Da bin ich voll reingegangen.“ Danach lief das Lied wieder rund. Der Dirigent lobte ihn später: „Ohne dich hätte ich abbrechen müssen.“ 

Der Chor schätzt Hans auch als Solisten. Lampenfieber kennt er nicht. Schon bei einem seiner ersten Soloauftritte auf dem Schlossplatz in Stuttgart stand er gelassen vor dem Publikum. „Ich wusste, der Ton sitzt“, erzählt er. Sein Lieblingslied, das „Ave Maria der Berge“, singt er ebenfalls als Solist. Die Noten dafür schenkte er dem Verein – so sehr liegt ihm das Stück am Herzen. 

Dass er fast sieben Jahrzehnte im Chor bleiben würde, hätte Hans nie gedacht. Nach 60 Jahren aktiver Sängerschaft wollte er aufhören. Doch er konnte den Chor nicht im Stich lassen und sprang immer wieder ein. Auch in schweren Zeiten hielt er durch. Nach dem Tod seines Sohnes fiel ihm das Singen lange schwer, doch ganz aufgeben wollte er den Verein nicht. Heute ist er wieder voll dabei und fehlt in keiner Singstunde. 

Manchmal denkt er an früher zurück. „In der Mitte der Singstunde gab es eine Pause für die Raucher.“ Nach dem Singen ging man gemeinsam in den Saloon, die legendäre Gaststätte des Ortes. Der Chorleiter brachte seine Quetsche mit, und zwischen den Getränken hieß es oft: „Hans, gib mal den Ton an.“ Dann wurde geschmettert. 

Vielleicht ist es genau das, was Hans bis heute im Männergesangsverein hält: nicht nur die Musik, sondern die Gemeinschaft. „Ich bin ein Vereinsmensch“, sagt er. Eine Wand voller Urkunden zeugt davon. Besonders wichtig ist ihm der Kontakt zu den Jüngeren. Sollte es den Männerchor eines Tages nicht mehr geben, hat er schon einen Plan: „Dann treffen wir uns einmal im Monat und singen Volkslieder. Hauptsache, die Gemeinschaft bleibt.“ 

Der Gänsehautmoment

Am Sonntag, 21. Juni, ist es so weit: Der Männergesangsverein feiert sein 130-jähriges Jubiläum mit einem Sonnenaufgangskonzert am Turm in Dürrenmettstetten. Seit Tagen prüft Hans die Wetter-App. „40 Prozent Regenwahrscheinlichkeit, kein Niederschlag. Das klappt“, sagt er. 

Das Konzert beginnt um 5 Uhr morgens, noch vor Sonnenaufgang. Hans sieht es schon vor sich: Die Sonne steigt während des Konzertes über Dürrenmettstetten empor und legt nach und nach ihr goldenes Licht über den Platz und die Sänger. Der Gänsehautmoment. Der Chor stimmt „Wenn die Sonne erwacht“ an. Und natürlich wird auch das „Ave Maria der Berge“ erklingen – mit Hans Kirschbaum und Uli Kaupp als Solisten. 

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