Menschen machen ein Dorf aus. In dieser Rubrik finden Sie spannende Persönlichkeiten aus Dürrenmettstetten – und besondere Gäste, die uns besuchen. Ihre Geschichten zeigen, wie vielfältig und lebendig unser Flecken ist. Von jungen Talenten bis zu bekannten Stimmen: Hier kommen die Menschen zu Wort, die Dürrenmettstetten zu einem besonderen Ort machen.
Wenn der Piepser ruft
Helga Weisser ist Ersthelferin in Mettstett
Sobald der Piepser losgeht, steigt ihr Puls. Am Eingang liegt alles bereit. Sie greift zum Schlüssel, zieht die Jacke an, schnappt Rucksack und Defibrillator. In zwei Minuten erreicht sie jeden Einsatzort im Dorf. Der Rettungsdienst braucht je nach Lage 10, 15, manchmal 20 bis 25 Minuten.
Helga Weisser ist die einzige Ersthelferin in Dürrenmettstetten. Wenn sie nicht krank ist oder im Urlaub, bleibt sie rund um die Uhr erreichbar. Hauptberuflich arbeitet sie als Krankenschwester bei der Sozialstation in Sulz. Die Einsätze im Dorf kommen obendrauf. In manchen Nachbarorten gibt es keine Ersthelfer. Es bleibt nur das Warten auf den Rettungsdienst.
Wenn jede Minute zählt
1968 in Horb geboren, wuchs sie in Bergfelden auf. Durch die Heirat mit ihrem Mann Thomas kam sie nach Mettstett. Ersthelferin wurde sie, als ihre Kinder alt genug waren. Seitdem besucht sie alle drei Wochen Fortbildungen. Dort geht es um Herzinfarkte, Schlaganfälle, Lagerungen, Verletzungen – und sogar um Zeltaufbau. „Ja“, sagt sie, „bei Katastrophenfällen alarmiert man uns im ganzen Landkreis.“ Sie hilft, Betroffene zu versorgen und zu registrieren.
Im Dorf erlebt sie bei ihren Einsätzen alles: Herzinfarkte, Krampfanfälle bei Kindern, Stürze, allergische Schocks. Sie misst Blutdruck, Puls und Sauerstoffwerte, beruhigt Patienten und Angehörige. „Die sind oft aufgeregter als die Patienten selbst.“ Helga gibt ihnen Aufgaben: „Hol einen nassen Waschlappen, such die Versichertenkarte oder geh runter, öffne die Tür und zeig dem Rettungsdienst den Weg.“ Ab und zu muss sie wiederbeleben.
Wenn möglich, unterstützt sie ihr Kollege Sascha Wörner aus Hopfau. Ebenso fährt sie zu seinen Einsätzen. „Man sollte nie allein gehen. Aber oft geht es nicht anders.“ Zwei Geburten bleiben ihr unvergessen. Bei einer Geburt öffnete die Mutter mit dem Neugeborenen im Arm – noch an der Nabelschnur verbunden. „Sascha war bei beiden Geburten dabei“, erzählt Helga. „Seitdem sage ich: Wir zwei haben auch zwei Kinder zusammen.“
Manche Einsätze belasten sie. Oft spielt Alkohol eine Rolle, manchmal kommt es zu Aggressionen. Und es gibt Momente, in denen sie nichts mehr tun kann. „Ich verspreche nie: Es wird alles wieder gut. Denn es wird nicht immer alles gut.“ Manchmal nimmt sie solche Erlebnisse mit in die Nacht.
Die Leitstelle alarmiert sie rund 25-mal im Jahr. Dazu kommen 30 bis 40 private Einsätze. „Das sind oft Kleinigkeiten: Ich habe eine Zecke, kannst du sie entfernen? Mein Vater fühlt sich schlecht, kannst du nach ihm sehen? Oder: Meine Mutter will nicht ins Krankenhaus. Komm und überzeuge sie.“ Für viele ist sie einfach die Krankenschwester im Ort.
Warum sie es trotzdem macht
Derzeit begleiten sie zwei Interessierte aus dem Dorf. Sie überlegen, sich als Ersthelfer ausbilden zu lassen. „Helfer werden immer gebraucht“, sagt sie. Vielleicht kann sie sich eines Tages vertreten lassen.
Warum sie es macht? „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Diesen Satz von Erich Kästner schrieb ihr einst eine Lehrerin ins Poesiealbum. „Damals verstand ich ihn nicht. Heute prägt er mein Leben.“ Der Satz steht auch unter ihrem WhatsApp-Profilbild.
Wenn der Piepser ruft, macht sie sich wieder auf den Weg. Später trifft sie viele der Menschen wieder – beim Einkaufen, auf der Straße, in der Kirche. Manche sagen Danke.









