Menschen machen ein Dorf aus. In dieser Rubrik finden Sie spannende Persönlichkeiten aus Dürrenmettstetten – und besondere Gäste, die uns besuchen. Ihre Geschichten zeigen, wie vielfältig und lebendig unser Flecken ist. Von jungen Talenten bis zu bekannten Stimmen: Hier kommen die Menschen zu Wort, die Dürrenmettstetten zu einem besonderen Ort machen.
Christoph Zehendner
Einer, der genau hinschaut
Christoph Zehendner ist keiner, der laut warnt. Er beschreibt. Präzise, ruhig, mit der Erfahrung eines Menschen, der viele Jahre mitten im Mediensystem gearbeitet hat – und der dessen Veränderungen mit wachsender Skepsis beobachtet. Am Mittwoch, 28. Januar, ist der Liedermacher, Theologe und gelernte Journalist zu Gast in Dürrenmettstetten. Ab 19 Uhr spricht er in der Gemeindehalle über eine Frage: „Wem kann ich denn noch glauben?“
Zehendner hat erlebt, wie Vertrauen gewachsen ist – und wie es zerbricht. Für ihn war lange selbstverständlich, dass Informationen überprüfbar sind, dass sich unterschiedliche Meinungen auf eine gemeinsame Wirklichkeit beziehen. Dieses Fundament sieht er brüchig werden. Begriffe wie „Fake News“ und gezielte Desinformation sind für ihn keine Schlagworte, sondern Symptome eines tieferen Problems.
Einen Moment nennt er als Wendepunkt: Als die damalige Sprecherin des amerikanischen Präsidenten erstmals von „alternativen Fakten“ sprach. Zunächst hielt er das für einen schlechten Witz. Dann wurde ihm klar, dass hier etwas kippt. „Das ist ein komplett neuer Umgang mit Informationen“, sagt er. Nicht mehr die Bewertung der Realität stehe zur Debatte, sondern die Realität selbst. Wahrheit werde verhandelbar, Fakten relativierbar.
Diese Entwicklung, so Zehendner, hinterlasse Spuren. Viele Menschen fühlten sich orientierungslos, suchten nach einfachen Erklärungen, nach klaren Feindbildern. Der pauschale Vorwurf der „Lügenpresse“ gehöre fest zu diesem Muster. „Wenn ich Präsident von Russland oder China wäre, würde ich mich darüber freuen, wie in Deutschland aus berechtigter Kritik pauschale Abwertung wird“, so Zehendner. Wo niemandem mehr geglaubt werde und alles gleich gültig erscheine, entstehe ein ideales Klima für Demagogen und Propagandisten.
Zehendner spricht dabei nicht aus Distanz. Er kennt den Journalismus von innen – mit seinen Stärken und Schwächen. Fehler bestreitet er nicht. Aber er warnt davor, aus einzelnen Fehlleistungen das gesamte Mediensystem zu diskreditieren. Freie, unabhängige Medien bleiben für ihn eine unverzichtbare Säule der Demokratie.
Seine Perspektive speist sich aus mehreren Rollen: Journalist, Theologe, Musiker, Autor. Er weiß, wie wichtig Faktenprüfung und Differenzierung sind – und zugleich, dass Argumente allein nicht immer tragen. Gerade in Gesprächen mit Menschen, die sich an Verschwörungserzählungen orientieren, stoße sachliche Widerlegung oft an Grenzen. Er versuche dann deutlich zu machen: Deine Meinung teile ich nicht. Das ändert aber nichts daran, dass ich Deine Würde achte.
Zehendners Rat ist unspektakulär und gerade deshalb eindringlich: bewusster Medienkonsum, weniger Reizüberflutung, mehr Einordnung. Statt vieler kurzer Informationshäppchen empfiehlt er längere Formate, die Zusammenhänge erklären. Verantwortung beginne beim Einzelnen – beim eigenen Umgang mit Information. „Entscheide bewusst, welche Medien du nutzt“, sagt er. Gönne dir unterschiedliche Perspektiven, hüte dich vor Polemik – und lass die Meinung des anderen stehen.“
Mittwoch, 28. Januar, 19:00 Uhr, Gemeindehalle ( Nießleweg 5 ) Dürrenmettstetten.
Veranstalter: Evangelische Gesamtkirchengemeinde Hopfau-Dürrenmettstetten und Gemeinde Dürrenmettstetten, Eintritt frei – Spenden erwünscht.







