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Demokratie in Gefahr

Erstelldatum30.01.2026

Christoph Zehendner über die Macht der Desinformation

Demokratie in Gefahr

Christoph Zehendner über die Macht der Desinformation

„Wem kann ich noch glauben?“ lautete das Thema eines Abends mit Christoph Zehendner, zu dem die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Hopfau-Dürrenmettstetten und die Gemeinde Dürrenmettstetten in die Gemeindehalle eingeladen hatten. Rund 150 Besucherinnen und Besucher folgten der Einladung.

Pfarrer Wolfgang Müller, Pfarrer und Ortsvorsteher Siegfried Dölker hoben die gute Zusammenarbeit zwischen kirchlicher und bürgerlicher Gemeinde hervor. Es war bereits die zweite gemeinsame Veranstaltung dieser Art – nach einem Abend mit dem Antisemitismusbeauftragten des Landes, Michael Blume.

Zehendner sieht mit Sorge, wie das Vertrauen in Medien und Öffentlichkeit bröckelt. Was lange selbstverständlich schien – dass Zeitungen, Radio und Fernsehen überprüfbare Informationen liefern –, wird zunehmend angezweifelt. Begriffe wie „Fake News“ und gezielte Desinformation prägen heute die Debatte.

Besonders deutlich wurde ihm diese Entwicklung, als die Sprecherin des damaligen US-Präsidenten erstmals von „alternativen Fakten“ sprach. Zunächst hielt er das für einen Scherz, erzählt Zehendner, doch dann erkannte er: „Das ist ein völlig neuer Umgang mit Informationen.“ Es gehe nicht mehr um unterschiedliche Bewertungen derselben Wirklichkeit – die Realität selbst werde verhandelbar. Wahrheit wirke austauschbar, Fakten verlören an Verbindlichkeit.

Die Folgen beschrieb Zehendner unmissverständlich: Viele Menschen fühlen sich orientierungslos und suchen Halt bei Medien, die einfache Erklärungen und klare Feindbilder liefern. Der pauschale Vorwurf der „Lügenpresse“ spiele dabei eine Schlüsselrolle. „Wäre ich Präsident von Russland oder China, würde ich mich freuen, wie in Deutschland aus berechtigter Kritik pauschale Abwertung wird. So schwächt man Demokratie effektiv“, sagt Zehendner. Wo niemandem mehr geglaubt wird und alles gleich gültig erscheint, hätten Demagogen und Propagandisten leichtes Spiel.

Fehler im Journalismus räumte er ein, warnte aber davor, das gesamte Mediensystem wegen einzelner Fehltritte zu verurteilen. Freie, unabhängige Medien seien eine unverzichtbare Stütze der Demokratie und „guter Journalismus kostet Geld“. Der Gegenwert von Rundfunkbeitrag und Zeitungsabo ist ungleich höher als ihr Preis.

Sein Rat ist nüchtern: bewusster Medienkonsum, weniger Reizüberflutung, mehr Einordnung. Statt vieler kurzer Nachrichten empfiehlt er längere Formate mit Hintergrund. Verantwortung beginne bei jedem Einzelnen – beim eigenen Umgang mit Informationen. „Wähle deine Medien bewusst. Suche unterschiedliche Perspektiven, meide Polemik – und respektiere die Meinung anderer.“

Zum Abschluss dankte Ortsvorsteher Siegfried Dölker dem Referenten für den eindringlichen und differenzierten Vortrag. Zugleich unterstrich er, wie wichtig es sei, Informationen zu hinterfragen, ihre Quellen zu prüfen und sich eine eigene fundierte Meinung zu bilden.

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